– Heterotopien als Rettung?“
vom 4. bis 12. Dezember 2010
Nach einem äußerst erfolgreichen Start mit „OdeonTanz I - Hoch Hinaus“ im Jänner und Februar 2010 folgt nun das zweite Wiener Tanzfestival „OdeonTanz II - Körper in Gefahr?“ vom 4. bis 12. Dezember 2010 am Odeon Theater in der Taborstraße 10 im zweiten Wiener Bezirk.
Getragen durch vielfältige Kooperationen, auf Initiative des Odeon Theaters und befördert durch die Stadt Wien, die hier (im Odeon Theater) eine zusätzliche Spielstätte für den zeitgenössischen Tanz in Wien fördert, unterstützt vom Land Oberösterreich und dem Bundesministerium für Unterricht und Kunst (C.O.V.), vom Feldkirch Festival und anderen, wird zum zweiten Mal eine Plattform insbesondere für die Wiener Tanzcommunity und in Österreich arbeitende TänzerInnen errichtet, die internationale Sichtweisen integriert. Ausdrücklich begrüßt OdeonTanz, neben der Etablierung einer Spielstätte für den zeitgenössischen Tanz in Wien und Österreich, die Vielfalt der Nationen mit TänzerInnen aus u.a. Österreich, Frankreich, Polen, Kolumbien, China und Deutschland oder wie es der Tanztheoretiker und Choreograf Jean Georges Noverre, dessen 200. Todestag im Jahr 2010 begangen wird, formulierte: „All men having the same passions, differ only in proportion to their sensibilities; they affect with more or less force all men, and manifest themselves outwardly with more or less vehemence and impetuosity.“ (aus: Jean George Noverre: Letters on Dancing and Ballets, Alton Dance Books 2004: 13)
Die Kontinuität dieser Ideen kann zunächst über zwei Jahre mitverfolgt werden.
OdeonTanz zeigt Stücke, die explizit der Verbindung zwischen Text und Tanz gewidmet wurden oder die Dynamiken und Transformationen zwischen literarischen Texten, Raum, Körper und Tanz betonen und den Körper nicht als Mechanik begrenzen, sondern ihn mit der Textur des Umfelds und mit der Situation, in der er sich befindet, verbinden, um Spektren fühlbar zu machen, die überall unter dem Wort, im Körper und im Raum präsent sind.
Nikolaus Adler und die Wiener Company „Homunculus“ (Leitung: Nikolaus Selimov/Künstlerische Leitung: Manfred Aichinger) werden am Samstag, dem 4. und Sonntag, dem 5. Dezember 2010, mit der österreichischen Premiere des Tanzstücks von Nikolaus Adler „Jennifer oder Die Rückkehr der Wilis“ den Auftakt des Festivals bilden. „Man schrieb das Jahr 1841, als das Mädchen Giselle, von der Männerwelt betrogen, an gebrochenem Herzen starb. Als Untote kehrte sie wieder, als eine von vielen. Die Spur dieser Wesen war blutig und der Tanz das Werkzeug ihrer Rache. Man nannte sie ,Les Wilis’. Nun schreiben wir das Jahr 2010. Die alten Geschichten sind vergessen und für Frauen, die nachts durchs Mondlicht schweben, ist längst kein Platz mehr. Nur abseits in einem Wald, nahe dem Friedhof gelegen, erinnert noch eine kleine Bar an damals. Die Frauen, die dieses Etablissement betreiben, teilen ein Geheimnis. Die Bar heißt ,Les Wilis’. Das Sequel zu ,Giselle’ ist ,Jennifer’: schneller, lauter, härter!!!“(Nikolaus Adler)
Am Dienstag, dem 7. und Mittwoch, dem 8. Dezember wird OdeonTanz II die Trio-Performance „In Case Of Loss“ von Georg Blaschke vorstellen. Ihre Aufgabenstellung der architektonischen Versuchsanordnung für drei Körper „führt zu teils strukturierten, teils unvorhersehbaren Umordnungen im choreographischen Raum. So wird ein Spannungsfeld körperlicher Interaktionen aufgebaut, das sich im Grenzbereich von Tanz und Installation ansiedelt.“ (Georg Blaschke).
„Die Luft zerbricht - eine Tanzsuite“. Unter diesem Titel wird die neueste Produktion der CIE. OFF VERTICALITY/C.O.V. in Kooperation mit OdeonTanz, Choreographie Rose Breuss, am Freitag, dem 10. und Samstag, dem 11. Dezember um 20 Uhr zu sehen sein. Rose Breuss hat sich hier eines uralten und gleichzeitig äußerst zeitgenössischen Themas angenommen: „Die Luft ist der Ort des Tanzens, alter Tanzstoffe und der Ort zeitgenössischer High-Tech- Kommunikation (...) Die zeitgenössische Luft scheint die Welt „kulturellen Gedächtnis“ technologisch, kommunikativ, informativ und wild unreflektiert zu bergen. Sie ist Entstehungsort der Choreographie – Die Luft zerbricht. Sie beschäftigt sich mit Brüchen, veränderten Wahrnehmungen und Perspektiven.“(Rose Breuss).
OdeonTanz konstruiert Identität durch Gedächtnis (Jan Assmann) in Zeiten virtueller Kommunikationsstrukturen und externer Speicherung, in denen sich der Bezug zum Körper durch die veränderten Kommunikationsbedingungen drastisch ändert. Tanz ist Teil des kulturellen Hier und Jetzt, aber auch des Gestern und Morgen.
Mit Mark Franko, Tänzer, Choreograf und Professor für Tanz und Performance Studies an der University of California, Santa Cruz, konnte in Kooperation mit der Universität Salzburg (Claudia Jeschke) einer der wichtigsten amerikanischen Theoretiker des zeitgenössischen und historischen Tanzes gewonnen werden. Seine Werke „Dancing Modernism“, „Performing Politics“, „Dance as Text“ und andere sind wichtige Grundlagen der Debatten zum kulturellen Gedächtnis im Tanz. Mark Franko wird am Sonntag, dem 5. Dezember um 18 Uhr, eine Lecture Performance zum Thema „Gestures in Dance“ halten.
Spannend dürfte auch ein Round Table am Dienstag, dem 7. Dezember von 17 bis ca. 19 Uhr zum Thema „Körper in Gefahr? Kontexte professioneller Tanzausbildung in Österreich“ mit Simona Noja, der neuen Leiterin der Ballettschule der Staatsoper Wien, Nikolaus Selimov, Leiter der Ballettschule am KonsWien, VertreterInnen von ötisch, Rose Breuss, IDA, Anton Bruckner Privatuniversität Linz und Dafne Maes, Brüssel werden. Dieses Wiener Tanzgespräch widmet sich den Bedingungen der professionellen Tanzausbildung in Österreich und wirft auch einen Blick in eines der europäischen Nachbarländer.
Rainer Krenstetter, ehemaliger Tänzer des Wiener Staatsopernballetts, dann beim Ballett der Staatsoper Unter den Linden Berlin und seit 2004 Solotänzer beim Staatsballett Berlin und Claudia Jeschke, Professorin der Universität Salzburg, werden nach dem Erfolg der ersten Lecture bei OdeonTanz im Jänner/ Februar 2010 eine weitere Kooperation eingehen: Ihre ungewöhnliche Präsentation am Dienstag, dem 7. und Mittwoch, dem 8. Dezember, Beginn um 20 Uhr, steht jeweils unter dem Titel „Aufforderungen zum Tanz“. Krenstetter/Jeschke untersuchen, auch mit der Lecture von Sybille Dahms, Claudia Jeschke und Rainer Krenstetter am 8. Dezember „Restaging Gluck“, um 18 Uhr, Bedingungen der Beteiligung des Körpers an sozialen Diskursen und der Steuerung von sozialen Prozessen.
„Körper in Gefahr - Heterotopien als Rettung?“ lautet die Frage, die sich ChoreografInnen, WissenschaftlerInnen, Tänzer und Tänzerinnen und das Organisationsteam um die Kuratorin und Choreografin Rose Breuss stellt. Mit Erstaufführungen, Repertoire, Workshops, Einführungen für das Publikum und Schulklassen, mit Filmen und Diskussionen sowie einem runden Tisch zu aktuellen Fragen zum Tanz in Österreich soll neben den Aufführungen ein Fokus auf aktuelle und historische, auf gegenwartsbezogene und vergangene Heterotopien gelegt werden, die insbesondere durch die zunehmende Digitalisierung des Alltags Fragen aufwerfen und eine Positionierung herausfordern.
Wir freuen uns auf Ihre/Eure Neugier, denn:
„A maître de ballet, then ought to explore everything, to examine all, since everything that exists in the universe can serve him as a model.“ (Jean George Noverre, Letter Vi: a.a.O.:38)
Für Fragen und weitere Informationen steht das Team jederzeit gerne zur Verfügung unter office@odeontanz.at oder www.odeontanz.at.